Neuraltherapie nach Huneke

Die Neuraltherapie bedient sich ausschließlich - zur Diagnostik und Therapie - der Lokalanästhetika Procain oder Lidocain. Diese Lokalanästhetika werden für eine große Zahl von chronischen und therapieresistenten Erkrankungen verwendet. Die Wirkung liegt dabei nicht im üblichen pharmakologischen Sinn, also in der Anästhesie (Betäubung), sondern in der regulierenden Einflussnahme auf Organe und Systeme. Den entsprechenden zugehörigen Nervenbahnen, besonders dem Vegetativum (= die Nerven, die nicht willkürlich beeinflusst werden können), fällt dabei eine zentrale Rolle zu. Die Lokalanästhetika sind hier vorzügliche Impulsgeber. Die Regulierung führt zur Normalisierung gestörter Funktionen und damit zur Beschwerdefreiheit.

Zum Verständnis muss auf das vegetative Grundsystem (Pischinger, Wien), welches Sympathikus, Parasympathikus und Grundsystem umfasst, hingewiesen werden. Es stellt eine funktionelle Einheit aus Zellen, Nerven, Kapillaren (= kleinsten Blutgefäßen) und extrazellulärer Flüssigkeit dar. Jede Information - sei es nerval, biochemisch, biophysikalisch, pathologisch oder eben therapeutisch - muss über dieses zellige weiche Bindegewebe geleitet werden, um von Zelle zu Zelle, von Organ zu Organ zu gelangen.

Jede pathologische Veränderung, jede Organerkrankung kann im umgebenden vegetativen System Informationen hinterlassen, die sofort oder erst nach einer bestimmten Zeit fernab gelegene Beschwerdebilder auflösen können. Dies wird als Herd-Störfeldgeschehen bezeichnet. Die Definition lautet: Unter einem Störfeld bzw. Herd wird jede Stelle und jedes Organ verstanden, das pathologisch (= krankhaft) verändert ist - oder einmal war - und das die Fähigkeit angenommen hat, über die nächste Umgebung hinaus Erkrankungen hervorzurufen und zu unterhalten. Dieses Störfeld ist eine im Vegetativum fixierte Information und kann jahrelang ruhenden Charakter haben, um dann plötzlich aktiv zu werden. Aus dem Herdträger wird dann ein Herdkranker. Das aktive Störfeld wird durch das Abkoppeln vom Vegetativum mittels Lokalanästhetika, d.h. durch Unterbrechung des pathogenetischen Informationsflusses, beseitigt und somit Beschwerdefreiheit erzielt.

Wann wird die Neuraltherapie eingesetzt?
- Bei akuten und chronischen Schmerzzuständen wie Kopfschmerzen etc.
- Bei verschiedenen chronischen Erkrankungen wie z.B. Rheuma
- Bei Folgen von Entzündungszuständen
- Bei Durchblutungsstörungen und Tonusänderungen der Muskulatur
- Bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, z.B. Ischias und arthrotischen Gelenkerkrankungen.